Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einem Freund, der sich momentan ziemlich uninspiriert fühlt. Ich erlebe ihn dabei, wie er oft nach neuer Technik Ausschau hält – und mit dem, was er hat (eine Leica M11 mit einem Summicron 35 f/2) es nicht schafft, Fotos machen zu gehen. Er hat Befürchtungen, die Kamera zu beschädigen, wenn er sie mit nach draußen nimmt. Stattdessen lässt er die M zuhause oder sucht nach Alternativen. Die Technik ist doch viel zu schade, um sie in den Schrank zu stellen, oder in einem Tuch eingewickelt in einer Tasche herumzutragen. Ich beobachte das schon lange an ihm. Er ist sehr technikaffin, holt sich immer das neue Zeug, auch wenn er es nur kurz hat und dann wieder verkauft. Ich verstehe das Interesse an der Technik an sich sehr gut. Aber die Argumente sind manchmal vorgeschobener als er sie sich vermutlich eingestehen will. Seine Gedanken kreisen um Möglichkeiten, die man mit einer bestimmten Technik haben kann.

Ich beobachte das schon lange an ihm. Er ist sehr technikaffin, holt sich immer das neue Zeug, auch wenn er es nur kurz hat und dann wieder verkauft. Ich verstehe das Interesse an der Technik an sich sehr gut. Aber die Argumente sind manchmal fadenscheiniger als er sie sich vermutlich eingestehen will. Seine Gedanken kreisen um Möglichkeiten, die man mit einer bestimmten Technik haben kann. Diese Gedanken kenne ich nur allzu gut. Nennt sich GAS, oder? Man sucht nach Argumenten und Gründen, warum man etwas Neues braucht. Aber kommt daher die Inspiration? Ich denke, wenn man lange genug darüber reflektiert, wird jeder für sich selbst die Erkenntnis haben, wie viel Geld man schon für „Möglichkeiten“ in den Sand gesetzt hat, nur um ein fiktives Ziel zu verfolgen und es schlussendlich doch nicht zu erreichen. Man ist ständig damit beschäftigt, über Technik zu lesen, sie zu testen und auszuprobieren. Aber kommt man dadurch in einen kreativen Prozess? Seit ich mehr und mehr darauf achte, wofür ich mein Geld ausgebe, habe ich mehr und mehr meine eigene Stimme gefunden. Interessant, wie das scheinbar zusammenhängt.

Diese Gedanken kenne ich nur allzu gut. Nennt sich GAS (Gear Acquisition Syndrome), oder? Man sucht nach Argumenten und Gründen, warum man etwas neues braucht. Aber kommt daher die Inspiration? Ich denke, wenn man lange genug darüber reflektiert wird jeder für sich selbst die Erkenntnis darüber haben, wieviel Geld man schon für „Möglichkeiten“ in den Sand gesetzt hat nur um ein fiktives Ziel zu verfolgen um es schlussendlich doch nicht zu erreichen. Man ist ständig damit beschäftigt, über Technik zu lesen, sie zu testen und auszuprobieren. Aber kommt man dadurch in einen kreativen Prozess? Seit ich mehr und mehr darauf achte, wofür ich mein Geld ausgebe habe ich mehr und mehr meine eigene Stimme gefunden. Ist Interessant, wie das scheinbar zusammenhängt.

Ich schleppe meine Kamera ständig umher und bin auch andauernd am Fotografieren. Ich laufe durch die Welt und sehe alles Mögliche. Die Welt fasziniert mich so wahnsinnig, und ich kann das eigentlich auch nicht abschalten. Was ich schade finde, ist, dass mein Freund trotz der tollen Technik die er hat, andere würden sich die Finger danach lecken, trotzdem so uninspiriert ist. Meiner Meinung nach sucht er an der falschen Stelle. Wie ich oben schon gesagt habe, neue Technik fasziniert vielleicht. Die Möglichkeiten die man vielleicht bekommt und sieht. Aber inspiriert sie auch? Welches Werkzeug brauche ich denn um das zu machen was ich will? Diese Frage unterscheidet sich fundamental von der Aussage darüber, was man mit der Technik machen kann. Wer weiß, was er will entscheidet danach, wer nicht weiß was er will, lässt sich von Möglichkeiten anziehen, die schlussendlich zu Überforderung führen, weil man nicht weiß, wie und was man machen soll. Weil eine Vision im Kopf zu haben, eine Vorstellung an Möglichkeiten noch lange nicht zu Aktivität führt. In meiner Vergangenheit habe ich sehr viel Geld ausgegeben für Technik die mir Möglichkeiten gegeben hat, aber ich habe sie nicht genutzt. Warum? Weil sie nicht zu mir und meinem Stil gepasst haben. 

Warum brauche ich einen coolen Kamerakran um fancy Bilder zu produzieren? Ich habe das Teil in meinem Regal gelagert, weil es mir immer zu umständlich war ihn aufzubauen und das Setup durchzuführen. Ist nicht mein Stil. Ich bin der Handheld-Typ. Ich mag es, Stories durch Kamerabewegung zu erzählen. 

„Ein gutes Foto ist das Ergebnis davon, wo man steht. Wenn die Dinge nicht gut aussehen, steht man nicht an der richtigen Stelle.“ – Ansel Adams

Aber das muss man Erkenntnis erstmal lernen. Man muss sich als kreativen Menschen kennenlernen. Ich könnte über unnütze Technik noch lange schreiben. Tatsächlich geht es mir selbst so, dass ich durch den Konsum von Social Media, Blogs, YouTube oft zu sehr im Vergleichen drinstecke. Das schadet mir persönlich viel zu sehr und ich suche nach Wegen, diese Ablenkung zu unterbinden. Ich lese momentan mehr Bücher. Das sind schon auch Fachbücher über Fotografie und Motivation, aber ich finde, beim Lesen eines Buches ist man mehr im Moment als wenn man auf einem Bildschirm liest. Zudem vergleiche ich mich nicht mehr so viel mit anderen. Wenn man das tut, findet man immer Leute die besser sind als man selbst und je nachdem wie man drauf ist, gibt man halt auf. Für wen macht man Fotografie? Heutzutage glaube ich machen das viele für Anerkennung. Ich habe das auch gedacht und gemacht, bis mir aufgefallen ist, dass ich es eigentlich für mich mache und im allerbesten Fall schaffe ich es, dass Leute sich mit meiner Arbeit auseinandersetzen im positiven wie im negativen. Aufmerksamkeit schaffen und Kommunikation. Postkartensyndrom nennt sich das. Da schwingt die Angst mit, ein bestimmtes Foto zu machen, weil es dem, was man vielleicht schon vorher gesehen hat, oder mit dem man sich vergleicht, nicht entspricht. Auch wenn man vielleicht nie an dem Ort war und sich jetzt mit der Frage auseinandersetzen muss, ob man den Ort oder die Szene fotografiert, weil man eben da ist – oder ob man ihn fotografiert, wie man ihn sieht. Mit den eigenen Augen. Ich denke, dass es essenziell ist, einen Weg zu finden, die Welt mit eigenen Augen zu sehen. Das geht meiner Meinung nach sogar übers bloße Fotografieren hinaus. Man darf sich ruhig einmal auf Blickwinkel konzentrieren, die man vielleicht nicht erwarten würde. Die nicht auf Postkarten zu sehen sind. Oder die nicht dem Mainstream entsprechen. Das gibt einem in der Fotografie zumindest einmal die Möglichkeit, einen eigenständigen Blick auf die Dinge und die Welt zu entwickeln. Und das ist es doch, was uns von den anderen Menschen absetzt, oder? Was zum Diskurs einlädt. Man kann sich – das mache ich auch ab und zu – einmal umdrehen und in die entgegengesetzte Richtung fotografieren. Vielleicht auch einmal ein Foto einer Sehenswürdigkeit wagen, das vielleicht von weiter hinten ist, auf dem die Touristen mit ins Bild genommen werden, anstatt dass jeder von der 3-×-3-Meter-Plattform das gleiche Bild vom Schloss macht. 

Ich glaube, Ansel Adams geht nicht davon aus, dass ein Bild perfekt im technischen Sinne sein muss. Vielmehr meint er meiner Meinung nach, dass man aus seinem persönlichen Blickwinkel die Dinge betrachten muss. Dann spürt auch der Zuschauer, dass man seinen eigenen Stil, seinen eigenen Eindruck mit in das Foto gebracht hat. Wie aber finde ich meinen eigenen Stil? Beziehungsweise geht die Frage nach der Inspiration voraus. Wenn ich die nämlich nicht habe, kann ich auch meinen Stil nicht finden und entwickeln.

Eine Möglichkeit ist für mich, sich Fotobücher anzusehen. Danach habe ich immer richtig Lust, mit der Kamera vor die Tür zu gehen. Nutze auf jeden Fall kein Instagram oder YouTube. Ich sehe auf eigentlich allen Social-Media-Kanälen nur noch Mainstream. Wir glauben einem Algorithmus, der uns ständig Bilder zeigt, die andere gemacht haben, und denken, dass dies ein Abbild der kreativen Welt seien. Ist es nicht logisch anzunehmen, dass eine Plattform, die möchte, dass du dort ständig abhängst, dir Dinge vorschlägt, die gut performen? 

Bleiben wir mal bei den analogen Medien wie Büchern. Ein Kurator hat sich eine Reihenfolge ausgedacht, wie er Bilder anordnet, sequenziert. Die Story, welche den Zuschauer hineinziehen soll. Somit verbringt man auch mehr Zeit damit, sich die Bilder zu betrachten, und entdeckt für sich – oder vielleicht auch über sich – etwas Neues. Zudem eröffnet es den Horizont viel mehr als ein Stream aus zufällig zusammengewürfelten Fotos eines Algorithmus. Manchmal zwinge ich mich mit einem Timer dazu, ein Bild in einem Buch oder online länger zu betrachten, als ich es normalerweise tun würde. Die Idee dazu kam aus einem Newsletter der New York Times. Er heißt „What’s going on in this Picture?“ Über diesen Newsletter bin ich irgendwann einmal gestolpert und finde es immer wieder spannend, was es mit einem macht. 

Wenn wir dann inspiriert sind hinaus zu gehen und die Welt durch unsere Augen zu betrachten ist es essenziell wichtig, die passende Kamera dabei zu haben. Na klar wirst du jetzt denken. Das ist doch logisch. Ich denke aber nicht, dass es so logisch ist. Reduziere dich auf das wirklich Wesentliche. Nutze ein minimales Setup. Vergiss dein Autofokus-Monster mit dem 35–100-mm-Zoom. Schnapp dir eine Festbrennweite, eine kleine, leichte Kamera und ziehe einfach los. Eigentlich könnte man sagen, dass das vielleicht auch mit einem Smartphone gehen würde. Davon rate ich aber besonders stark ab. Das Phone ist nur wieder eine Ablenkung.

Ich verfolge gerade den Podcast „Fotografie tut gut“ von Falk Frassa. Kann ich dir übrigens extrem ans Herz legen. Er hat eine Geschichte erzählt, wie er mit seiner Leica SL2 und einem Haufen Objektive unterwegs war. Schwer, unhandlich, zu viele Optionen. Er hat irgendwann alles verkauft und sich von dem Geld eine M10 und ein 40-mm-Objektiv gekauft. Nichts weiter. Die Entscheidung ist mutig, aber befreiend. Und ich finde es schön, wie er darüber spricht, wie ihn die Reduktion inspiriert. Je umständlicher dein Setup ist, desto komplizierter ist es draußen. Man muss sich hier definitiv zu einer Entscheidung durchringen und diese dann aber auch vertreten. Klar, du wirst vermutlich etwas verpassen, wenn du kein Zoom, kein Teleobjektiv oder kein Weitwinkel dabei hast. Das wird definitiv so sein. Du wirst dich ärgern über die verpassten Chancen. Aber hey. Dadurch dass du beginnst, dich zu fokussieren, fängst du auch an, deinen Blick zu schärfen. Ich denke z.B. mittlerweile in 35 mm. Ich habe die letzten drei Jahre fast ausschließlich mit 35mm fotografiert. Find ich total spannend was da mit einem passiert. Man beginnt die Welt so zu sehen. Und wenn ich mal ein anderes Objektiv aufschraube – gerade bin ich im 50-mm-Modus – merke ich, wie anders ich plötzlich denken und sehen muss. Aber du wirst auch umso mehr gewinnen, weil du im Fokus bist, im Flow – und dich nur auf eine Sache konzentrieren musst: das Sehen. 

Und nachdem du dich jetzt reduziert hast, gehen wir der Frage nach, wie wir denn Inspiration bekommen, wenn wir so gar keine haben? Da gibt es die hilfreiche Idee der Herausforderungen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Büchern darüber. Aber man kann auch einfach mal googlen, die KI fragen oder besser noch, selber nachdenken. Ich habe mal drei Inspirationen für dich, die dir vielleicht weiterhelfen.

Challenge 1: Bei dieser Aufgabe fotografierst du nur Eigenschaften. Die Aufgabe: Gehe 30 Minuten spazieren und mache 10 Fotos, auf denen man nicht sofort erkennt, was das Objekt ist. Konzentriere dich nur auf Texturen, Nahaufnahmen, sich wiederholende Muster oder das Spiel von hartem Schatten auf einer Wand. Dein Gehirn lernt, Oberflächen und Lichtunebenheiten wahrzunehmen.

Challenge 2: Geh an einen Ort, den du eigentlich langweilig findest. Du darfst insgesamt nur 10 Fotos machen. Kein Löschen, kein „Testschuss“. Bevor du den Auslöser drückst, läufst du einmal um das Motiv herum, gehst in die Knie oder stellst dich auf eine Bank. Das Ziel dabei ist es jedes Bild bewusst zu „bauen“, statt einfach nur die Kamera draufzuhalten.

Challenge 3: Wähle ein Adjektiv (z. B. einsam, hektisch, nostalgisch oder kalt). Erstelle eine Serie von 3 Bildern, die dieses Gefühl vermitteln, ohne dass ein Mensch im Bild sein muss. Fokussiere dich auf Lichtstimmung und Farbwirkung. Die Erkenntnis, dass ein Foto eine Geschichte erzählen kann, selbst wenn es nur eine leere Bushaltestelle zeigt ist sehr spannend wie ich finde. Du kannst dir auch ein anderes Thema wie bestimmte Farben, Formen, Reflektionen oder was auch immer ausdenken. Hauptsache ist, du gehst raus, mit deiner geliebten Kamera. Egal ob sie nachher Gebrauchspuren hat oder nicht.

Welche dieser Aufgaben klingt für dich am schwierigsten? (Das ist meistens diejenige, die dich am weitesten nach vorne bringt!)

Versuche das und wachse daran, mache ich auch – und erst wenn du dich besser kennengelernt hast, darfst du dir neue Technik kaufen. Das wäre dann die nächste Challenge 🙂

Ich kenne die Gedanken sehr gut, wenn man sich versucht einzureden, dass man eine Kamera oder ein Objektiv braucht, um etwas auf eine ganz besondere Art zu machen. Sei es, eine Kamera mit EVF zu haben, damit man manuell besser scharfstellen kann. Ja, gut. Mit der M11 kannst du auch scharfstellen. Ist halt etwas anspruchsvoller, aber mit der Zeit gelingen die Bilder besser und besser. Für mich ist die M ja meine „Lust-Kamera“ geworden. Ich liebe dieses „Low Profile“, was sie hat. Sie ist klein und sie ist so schnell wie ich es bin und sein will. Sie holt mich ins Fotografieren, weil ich nicht mit Objektivwechsel, Autofokusmodi oder anderen Einstellungen beschäftigt bin. Auto-ISO, Verschlusszeit auf 1/500 und Blende 8. Zonenfokus. Fertig. Und das mache ich, wenn’s schnell gehen soll. Ansonsten passe ich einfach alles an, was angepasst werden muss, wenn ein bestimmtes Objekt oder eine Szene es erwartet. Aber das ist Auseinandersetzung. Und mit jeder Sekunde, Minute oder Stunde, die du so verbringst, wird dein Fokus schärfer und klarer. Deine Vision entwickelt sich. Und die Inspiration kommt und bleibt.

Falls du eine der Challenges gemacht hast, sag mir doch wie es dir dabei ging und lass ein paar Bilder da. Viele Grüße, Andreas

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